Häufig gestellte Fragen
(Diese Texte stammen von Reinhard und Jutta Fey und wurden mit freundlicher Genehmigung aus dem Flyer des Landesverbandes NRW übernommen.)
Was sind die Guttempler eigentlich, und was macht Ihr?
Zunächst einmal: Wir leben alkohol- und drogenfrei. Dahinter steht in der Regel eine persönliche Suchterfahrung, direkt oder als Angehöriger. Sie lässt uns vieles bewusster erleben. Und sie macht uns glaubwürdig, wenn wir anderen Menschen anbieten, sie bei ihren Suchtproblemen zu unterstützen. Es gibt auch Guttempler, die aus sozialem Engagement und nicht aus der Abhängigkeit bei uns sind.
Seid Ihr eine religiöse Gruppe?
Nein, wir sind der größte nichtkonfessionelle Abstinenzverband in Deutschland. Wir arbeiten überkonfessionell, demokratisch, überparteilich und ehrenamtlich.
Und wie kommt Ihr zu dem Namen?
Als die Guttempler 1851 in den USA gegründet wurden, sahen sie ihre Ziele der Nächstenliebe und praktischen Hilfe bei den damals idealisierten Tempelrittern verwirklicht. So erfanden sie den Kunstnamen „Guttempler“.
Kümmert Ihr Euch nur um die Abhängigen?
Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, wird immer gesagt. Und nach unserer Erfahrung stimmt es auch: Nicht nur wer Alkohol- oder andere Suchtprobleme hat, braucht Hilfe. Die Partner, Kinder, Eltern, Freunde oder Kollegen leiden meist sehr darunter. Sie zu unterstützen, ist uns ein besonderes Anliegen. In unseren offenen Gesprächsgruppen sind die Angehörigen genauso willkommen und wichtig, wie die Betroffenen. Hier kann jeder offen, vertrauensvoll und absolut vertraulich reden. Er kann darüber sprechen, was ihn gerade bedrückt, wo er Schwierigkeiten hat oder auch, was ihn besonders erfreut. Jeder kann sich auch für ausführliche Einzelgespräche oder für professionelle Hilfe entscheiden, die wir dann vermitteln können. Wir unterstützen alle, die zu uns kommen, gern!
Wie kann man irgendwo den persönlichen Erfolg sehen?
Wie die meisten Guttempler selbst erfahren haben, kann jeder mit Unterstützung der Gruppe wieder Tritt fassen und Schritt für Schritt den Weg aus der Sucht gehen. Man erhält Ermutigung und Anregungen, wie man sein Leben und den Alltag aktiv und selbstbewusst in die Hand nehmen kann. Die anderen trauen einem etwas zu, und man beginnt, sich selbst wieder zu vertrauen. Die Gruppe zeigt damit: „Es geht voran, ich mache Fortschritte, ich habe Erfolge!“ Und man kann nach einiger Zeit stolz von sich sagen: „Ich habe mich wirklich verändert und entwickelt!“
Wie seid Ihr denn organisiert?
Wir haben die offenen Gesprächsgruppen und die Guttempler-Gemeinschaften. Beide treffen sich in der Regel getrennt.Denn in der Gesprächsgruppe geht es darum, erst einmal von der Sucht loszukommen. Dabei werden die Teilnehmer unterstützt von Menschen, denen dieser Kraftakt gelungen ist und die zufrieden „ohne“ leben. Jederzeit kann auch die Guttempler-Gemeinschaft besucht werden. Sie steht jedem offen. Gespräche, Diskussionen, gemeinsame Unternehmungen, Spiel und Spaß stehen auf dem Programm. Die mögliche Selbstverpflichtung, alkoholfrei zu leben, und die Mitgliedschaft sind ein weiterer Schritt in der positiven Entwicklung.Wir haben in Deutschland elf Landesverbände und einen Dachverband, und wir sind Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband und bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.
Wenn man einen Rückfall hat, fliegt man dann bei Euch raus?
Wer Mitglied werden möchte, verpflichtet sich, alkoholfrei zu leben. Das ist Voraussetzung.
Bei einem Rückfall bleibt in jedem Fall die Zugehörigkeit zur Gesprächsgruppe erhalten, und es bleibt die Zuwendung der Guttempler. Jedoch verliert man automatisch seine Mitgliedschaft -bis zur Wiederaufnahme. Dies klingt hart, kann jedoch als zusätzliche Hemmschwelle gegen einen Rückfall wirken. Ein Rückfall kann auch Teil des Heilungsprozesses sein, bei dem die Guttempler dem Betreffenden helfen und ihm zur Seite stehen.
Muss man bei Euch Beiträge bezahlen?
Kostenlos sind die Beratung und der Besuch der offenen Gesprächsgruppe, die von der Guttempler-Gemeinschaft getragen wird. Auch wenn alle Guttempler ehrenamtlich tätig sind, fallen jedoch Kosten an wie Raummiete, Fahrt- und Verwaltungskosten. Wie jeder anderer Verein auch, erheben wir daher einen Beitrag von den Mitgliedern. Es ist auch ein Preis für unsere Unabhängigkeit.
Warum sollte ich zu Euch kommen und nicht zu einer anderen Selbsthilfegruppe gehen?
Wenn nur einer in der Gruppe ist, der Ihnen sympathisch ist, mit dem Sie reden können, der die gleiche Wellenlänge hat, dann sollten Sie bleiben. Das Wichtigste ist, dass Sie sich gut aufgehoben, verstanden und ermutigt fühlen, um wieder Sinn und Freude im Leben zu entdecken. Ausprobieren heißt hier das Motto: Kommen, selbst erleben und dann entscheiden.
Und wie geht es nach der Gesprächsgruppe weiter?
Hinter jeder Sucht steckt ein Problem, heißt es. Und darum und ums Aufhören geht es vor allem in der Gesprächsgruppe. Doch nach einer Zeit der Stabilisierung tritt die akute Sucht zurück, wird der Alltag wieder bewältigt. Es beginnt das Leben „nach der Sucht“. Für diesen nächsten Schritt haben wir die Guttempler-Gemeinschaft: Hier steht nicht mehr das Thema Sucht im Mittelpunkt, sondern man kann Neues ausprobieren und sich entwickeln. Man kann sich weiterbilden und engagieren. Vor allem findet man Freunde, wird ernst genommen und kann erleben: „Ich kann etwas, ich bin wer!“ Es lohnt sich wieder, zu leben.
